“Ihr wollt doch nur Musik klauen!” oder: Sachliche Diskussionen über das Urheberrecht

Auf der “Seite 3″ der Süddeutschen Zeitung vom 31.03/01.04 äußerte sich Thorsten Schmitz in ganzseitigem Umfang im Kontext von Sven Regener und #51Autoren zum Urheberrecht und der Piratenpartei.

Nein, ich lese diesen Artikel nicht zu Ende. Allein beim Querlesen stoße ich schon auf so viele Unwahrheiten, Unsachlichkeiten und tendenziöse Äußerungen des Autors, dass eine sachliche Auseinandersetzung damit eigentlich unmöglich ist. Der Autor – übrigens Rechtsanwalt und Justiziar des Börsenvereins des deutschen Buchhandels/Landesverband Bayern – redet von “Traumwelten” der Piraten im Netz und schwadroniert über chatten, skypen und downloaden. Der gesamt Artikel ist ein einziger Angriff und kein fundierter Diskurs.
Ein paar Gedanken mache ich mir trotzdem dazu.

Aus unserem Parteiprogamm:

Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit
Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht. Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.

Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.
(Parteiprogramm Piratenpartei)

Konkret:
Kultur ist grundsätzlich frei. Es gibt kein Grundrecht darauf, mit Kunst Geld zu verdienen. Und genau da liegt das Problem der Urheber-Position: Die Urheber sind keine Kulturschaffenden, sondern Verkäufer.
Und Verkäufer dürfen nicht erwarten, dass Gesellschaft oder Politik ein fertiges Geschäftsmodell liefern. Die Politik entscheidet lediglich über die Rahmenbedingungen (lies: das Urheberrecht). Es gibt keinen Geldhahn, den man einfach aufdreht, damit Kulturschaffende ihren Hut darunter halten können. Wie sie schlussendlich ihr Geld verdienen, müssen sie selbst wissen, das kann die Politik nicht abnehmen. Einfach nur ein Werk schaffen reicht nicht, es muss auch vermarktet werden.

Nochmal auf den Artikel bezogen:
Welchen Wert hat ein Debattenbeitrag, dessen Auseinandersetzung mit der Gegenposition sich im Wesentlichen darauf beschränkt, “Ahnungslosigkeit” zu unterstellen und alte Ressentiments zu bedienen?

Die Debatte um eine Reform des Urheberrechts ist deutlich weiter fortgeschritten, als der Autor und die von ihm zitierten Autoren den Lesern Glauben machen wollen. So geht es keineswegs darum, die Autoren zu berauben oder das Urheberrecht einfach abzuschaffen. Im Gegenteil versuchen viele Modelle, auch die kleinen Künstler und die Straßenmusiker verstärkt vom Verteilungssystem profitieren zu lassen. Auch der Verbraucherschutz (Stichwort: Abmahnwelle) und “neue” Formen von Kreativität (Remix, Montage, Sampling), die eigentlich kaum mehr “neu” zu nennen sind, sollen durch ein reformiertes Urheberrecht gefördert und rechtlich abgesichert werden. Einige Überlegungen zielen sogar explizit auf die Stärkung des Urheberrechts, indem etwa die Positionen von Autoren und Musikern gegenüber Verlagen und Labels gestärkt werden.

Von all dem ist im Artikel kein Wort zu lesen. Das ist mehr als enttäuschend – diese Einseitigkeit und eine derartige Verfremdung real existierender Positionen kann eigentlich nur als programmatisch angesehen werden.

Disclaimer: Dieser Blogpost ist ein Mashup aus Andis und Daniels)

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