Mashup-Sonntag #51

Plastikpop von Marc Johnce, diesmal mit:
Pixie Lott – Kiss The Stars
Corona – Rhythm Of The Night
Little Boots – Earthquake
Ke$ha – Take It Off
Rihanna – You Da One
David Guetta ft. Usher – Without You
David Guetta ft. Nicki Minaj – Turn Me On

Download hier.

Wie man mit brauner Suppe umgeht

Vorab die beiden Auslöser, falls noch nicht gelesen:
Offener Brief Junge Piraten und Antwort PM Bundespresse

Ich teile die Meinung der Jungen Piraten – hier stark komprimiert wiedergegeben – dass man sich nicht oft genug gegen Extremismus und Diskriminierung jeder Art stellen kann. Die Antwort der Bundespresse in persona Aleks A. Lessmann ist in meinen Augen zwar blass, aber in ihrer Intention als Pressemitteilung soweit in Ordnung. Beide Positionen haben aber einen grundlegenden Punkt zu eigen: sie sind über eine breite Masse an Menschen ausgeschüttet und somit zwangsläufig fernab von jeglicher Produktivität. Alle Welt regt sich darüber auf (wahlweise über das Eine oder das Andere) aber eine tatsächliche Entwicklung von zielorientierten Diskussion passiert nicht. Es ist die klassische Sau, die wieder einmal durchs Dorf getrieben wird – also nichts Neues. Die spannende Frage dabei ist doch: Warum?

Braune Suppe (Symbolfoto)

Ganz einfach: Beide Texte sind top-down-orientiert geschrieben, also ganz normale Pressemitteilungen. Und damit sind sie genau das Gegenteil von dem, was wir eigentlich brauchen: lösungsorientierter Diskurs, praktische Hilfestellung. Was hilft einem kleinen Stammtisch, einer Gruppe von <10 Piraten die schönste Stellungnahme des Bundes (ganz gleich ob Piraten oder JuPis), wenn gleichzeitig extremistische Spinner anfangen vor Ort das Ruder zu übernehmen? Wie sollen frisch gegründete Piratentreffen mit motivierten Neumitgliedern wissen, welcher Zuspruch für ihre Runde gut ist – und wo man aufpassen muss? Wo endet Verschwörungstheorie und wo beginnt staatsfeindliche Haltung?

Und genau dafür brauchen wir Hilfen “von unten”, aus der Basis. Hier sind wir alle gefordert! Die Erfahrenen mit dem Gespür für aufkeimende Probleme. Piraten, die schon dem einen oder anderen “Spinner” erfolgreich entgegen getreten sind. Diejenigen mit einigen Kerben im Schild.

Konkrete Punkte, die zu tun sind:

1. Besucht andere Treffen. Kuckt einfach mal bei euren Nachbarcrewtreffen oder -stammtischen vorbei. Verschafft euch eine Überblick und zeigt gerade neuen Treffen, dass diese nicht auf sich alleine gestellt sind.

2. Material zusammenpacken. Es gibt viele Arguliner, Hilfetexte und Unterstützung von Initiativen gegen Rechts(-extremismus). Copy, paste, remix, share. Komprimierte Inhalte helfen in das Thema einzusteigen. Ab in’s Pad dazu!

3. Bewusstsein schaffen. Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass man jede Meinung hinnehmen oder unwidersprochen stehen lassen muss. Auch Statements aus der “die da oben”-Kiste können erste Anzeichen für Gedankengut sein, das nicht mit den Piraten vereinbar ist.

4. Hilfen anbieten. Oftmals ist die größte Hürde die Orientierungslosigkeit. Zeigt anderen Piraten, wo sie Infos und inhaltliche Unterstützung bekommen. Ein, zwei Links sind super und hilfreich – “kuck im Wiki” dagegen nicht.

5. Hilfe holen. Ihr müsst nicht alles alleine machen! Ihr müsst auch nicht immer etwas machen. Wenn ihr keine Zeit, Nerven oder Lust habt, eine Thema gerade zu beackern, dann gebt es an Andere ab. Nichts ist schlimmer, als wenn ein “Hilferuf” in eurer Mailbox versinkt.

Weitere Ideen? Her damit!

Repost: “Mein Betonkopf gehört mir”

Disclaimer: Repost von Gunnar Sohn / ichsagmal.com

Da haben sich die Verleger aber eine hübsche Kampagne ausgedacht, die jetzt in Etappen über die klassischen Massenmedien ausgegossen wird. Nach der Wutrede von Sveni Regner und dem offenen Brief der GEZ-beseelten Tatort-Autoren werden nun im Handelsblatt 100 “kreative” Schriftsteller, Sänger, Künstler, Werber, Softwareentwickler und Unternehmer in Szene gesetzt, um gegen die “Umsonstkultur” im Internet und deren politischen Protagonisten, die Piraten, protestieren. Das ist wohl ein bislang einmaliger Vorgang in der Untergangsgeschichte des medialen Establishments, dass sich Meinungsbildner nicht nur vor den Karren von Lobbyinteressen spannen lassen, sondern expliziert gegen eine politische Partei lamentieren, die in Deutschland noch nirgendwo in der politischen Verantwortung steht. Peinlich auch der verkrampfte 68er-Habitus der Handelsblatt-Titelseite: “Mein Kopf gehört mir!”

Der Aufmacher auf der Innenseite wird dann noch mit der Überschrift “Kreative, hört die Signale” versehen. Fehlt eigentlich nur noch ein Gruppenfoto der 100 Kreativköpfe mit Che Guevara-T-Shirts. Da gibt es ja schon legendäre Vorbilder wie den automobilen Top-Manager mitbekommen, der vor einem Plakat des Revolutionskämpfer in Las Vegas hintergründige Analysen über den Kommunismus vorgetragen hat. Ein wahrer Car Sharing-Revolutionär, der sich als „Chief Guerilla Officer“ profilierte. Ähnlich subtil ist die Analogie zum Bekenntnis von Frauen vor gut 40 Jahren: „Mein Bauch gehört mir… “. Nur damals gehörte Mut dazu, sich in der Abtreibungsdebatte zum Selbstbestimmungsrecht der Frauen zu bekennen.

“Wir haben abgetrieben!”, titelt der stern am 6. Juni 1971. Und schreibt unter das Selbstbekenntnis von 374 Frauen: “Dies ist kein Aufstand gegen das Recht, sondern ein Protest gegen die Verlogenheit eines Paragrafen, an den selbst Richter nicht mehr glauben. Klagt uns an, sperrt uns ein, wenn ihr den Mut dazu habt.”

Im Unterschied dazu sind die Kalendersprüche der 100 Betonköpfe, die substanzlose Sätzchen zum Schutz des geistigen Eigentums loslassen, eine lauwarme Brühe. Selbst Google-Justiziar von Google-Nordeuropa hat sich in die Ahnengalerie aufnehmen lassen. Er hätte vielleicht vorher mal recherchieren sollen, um was es bei dieser Kampagne geht und in welcher Gesellschaft er sich befindet. Etwa mit so fortschrittlichen Geistern wie Thomas Middelhoff, der ja bei der Sanierung von Karstadt unglaublich erfolgreich bewährt hat.

Oder der Einschaltquoten-Erfinder Helmut Thoma. Oder der honorige Bert Rürup, Vorstand der MaschmeyerRürup AG. Oder Utz Claassen, Ex-Chef von EnBW, der sich mit Sicherheit Sorgen um Verwertungsrechte machen muss bei den spärlichen Abfindungen, die er kassiert hat. Maria Furtwängler darf nicht fehlen – Stichwort Burda. Bernd Buchholz, Vorstandschef von Gruner + Jahr. Jette Joop, die wahrscheinlich kein Oktoberfest mehr auslassen wird, um ihren Unwillen gegen Netzanarchie zu proklamieren.

Springer-Mann Christoph Keese, der sicher mit stolz geschwellter Brust die Kampagne begleitet. Pater Anselm Grün als digitale Avantgarde. SAP-Chefe Jim Hagemann-Snabe, der Erfahrung mitbringt bei der Vergabe von Lizenzen – da können einige Mittelständler ein kostspieliges Lied singen. Froschkönig Philipp Rösler, der noch als Vizekanzler unterzeichnet. CSU-Starker-Staat-Staastrojaner-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich – warum ist der eigentlich ein Kreativkopf?

In den 100 Sinnsprüchen findet man kaum eine Silbe über das Leistungsschutzrecht und die Interessen der Verleger. Das ist billige Propaganda: Umsonstkultur = Piraten. Auf diese Formel scheinen sich die Lobbyisten eingependelt zu haben. Hier wird in den Rückzugsgefechten der Gestern-Manager eine Leimspur gelegt. Niemand macht sich die Mühe, über die überkommenen Geschäftsmodelle des analogen Industriekapitalismus nachzudenken.

Setzt Euch mit wirklich kreativen Köpfen wie Chris Anderson zusammen und lasst die fordistischen Gerontologen links liegen. Mit den 100 Betonköpfen ist kein Staat mehr zu machen.

Meine Debattenbeiträge habe ich kompakt zusammengefasst unter:Leistungsschutzrecht-Verlogenheit: Die Frankenstein-Falle.

“Ihr wollt doch nur Musik klauen!” oder: Sachliche Diskussionen über das Urheberrecht

Auf der “Seite 3″ der Süddeutschen Zeitung vom 31.03/01.04 äußerte sich Thorsten Schmitz in ganzseitigem Umfang im Kontext von Sven Regener und #51Autoren zum Urheberrecht und der Piratenpartei.

Nein, ich lese diesen Artikel nicht zu Ende. Allein beim Querlesen stoße ich schon auf so viele Unwahrheiten, Unsachlichkeiten und tendenziöse Äußerungen des Autors, dass eine sachliche Auseinandersetzung damit eigentlich unmöglich ist. Der Autor – übrigens Rechtsanwalt und Justiziar des Börsenvereins des deutschen Buchhandels/Landesverband Bayern – redet von “Traumwelten” der Piraten im Netz und schwadroniert über chatten, skypen und downloaden. Der gesamt Artikel ist ein einziger Angriff und kein fundierter Diskurs.
Ein paar Gedanken mache ich mir trotzdem dazu.

Aus unserem Parteiprogamm:

Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit
Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht. Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.

Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.
(Parteiprogramm Piratenpartei)

Konkret:
Kultur ist grundsätzlich frei. Es gibt kein Grundrecht darauf, mit Kunst Geld zu verdienen. Und genau da liegt das Problem der Urheber-Position: Die Urheber sind keine Kulturschaffenden, sondern Verkäufer.
Und Verkäufer dürfen nicht erwarten, dass Gesellschaft oder Politik ein fertiges Geschäftsmodell liefern. Die Politik entscheidet lediglich über die Rahmenbedingungen (lies: das Urheberrecht). Es gibt keinen Geldhahn, den man einfach aufdreht, damit Kulturschaffende ihren Hut darunter halten können. Wie sie schlussendlich ihr Geld verdienen, müssen sie selbst wissen, das kann die Politik nicht abnehmen. Einfach nur ein Werk schaffen reicht nicht, es muss auch vermarktet werden.

Nochmal auf den Artikel bezogen:
Welchen Wert hat ein Debattenbeitrag, dessen Auseinandersetzung mit der Gegenposition sich im Wesentlichen darauf beschränkt, “Ahnungslosigkeit” zu unterstellen und alte Ressentiments zu bedienen?

Die Debatte um eine Reform des Urheberrechts ist deutlich weiter fortgeschritten, als der Autor und die von ihm zitierten Autoren den Lesern Glauben machen wollen. So geht es keineswegs darum, die Autoren zu berauben oder das Urheberrecht einfach abzuschaffen. Im Gegenteil versuchen viele Modelle, auch die kleinen Künstler und die Straßenmusiker verstärkt vom Verteilungssystem profitieren zu lassen. Auch der Verbraucherschutz (Stichwort: Abmahnwelle) und “neue” Formen von Kreativität (Remix, Montage, Sampling), die eigentlich kaum mehr “neu” zu nennen sind, sollen durch ein reformiertes Urheberrecht gefördert und rechtlich abgesichert werden. Einige Überlegungen zielen sogar explizit auf die Stärkung des Urheberrechts, indem etwa die Positionen von Autoren und Musikern gegenüber Verlagen und Labels gestärkt werden.

Von all dem ist im Artikel kein Wort zu lesen. Das ist mehr als enttäuschend – diese Einseitigkeit und eine derartige Verfremdung real existierender Positionen kann eigentlich nur als programmatisch angesehen werden.

Disclaimer: Dieser Blogpost ist ein Mashup aus Andis und Daniels)

“Ihr seid doch nur eine Protestpartei!” oder: warum Protest wichtig und gut ist

Pro·tẹst, der
Das deutliche Ausdrücken, dass man mit etwas nicht einverstanden ist und eine Änderung verlangt.
(The Free Dictionary)

Häufig bekommen die Piraten zu hören, sie seien nur eine “Protestpartei” und würden ja nur “Protestwähler” anziehen. Richtig. Genau das sind wir und – zum Glück! – gibt es “Protestparteien”!

Ein Beispiel:
Ein enttäuschter Wähler ändert seine politische Meinung und wählt bei der nächsten Wahl eine andere Partei. Er bringt so seinen Unmut und seine Enttäuschung zum Ausdruck. Ein Akt der Meinungsäußerung, ein Protest. Somit ist er jetzt ein “Protestwähler”. Und: seine neue Wahl ist damit eine “Protestpartei”.

Findet jemand in diesem Beispiel einen Punkt der ausschließlich auf die Piraten zutrifft? Ich nicht.
Vielmehr sehe ich darin Punkte, die auf jede Partei zutreffen und die einer Demokratie erst zu einem ihrer grundlegenden Momente verhelfen: Meinungspluralität. Und da muss mir erst mal jemand erklären, was daran schlecht sein soll.

Bleibt nur die Frage: warum ist Protest im Parteienkontext so negativ besetzt? Bei Gewerkschaften, Interessensverbänden ist das ja auch nicht der Fall. Oder habt ihr schon mal gehört, dass attac, Greenpeace oder ver.di “nur so eine Protestbewegung” sei?

Google und das Dienste-Universum: Teil 2 – Feed Reader

Zweiter Schritt auf dem Alternativ-Weg zur Google-Servicewelt: Der Feed Reader.

Mit TinyTinyRSS gibt es eine hervorragende Möglichkeit RSS-Feeds zu abonnieren, zu synchronisieren und – dank einer Android-App – auch unterwegs zu lesen, auch nativ auf Tablets!

Die Installation ist nicht weiter kompliziert. Einzig wichtiges Detail ist, dass man bei seinem Webhoster die Möglichkeit braucht, Cronjobs zu verwenden. Dafür hat man dann die Möglichkeit die TinyTinyRSS  Instanz so einzurichten, dass sie mit mehreren Accounts genutzt werden kann. Sprich: Der geneigte Leser kann in seinem Bekanntenkreis Leuten, die nicht die Möglichkeit oder Fähigkeiten haben, die Software selbst aufzusetzen, den Dienst anbieten.

TinyTinyRSS bietet meiner Meinung nach alles, was Google Reader auch kann: Social Sharing an Twitter, Abonnieren von Twitter-Accounts via OAuth, Lesen von passwortgeschützten Feeds, Tastaturkürzel und sogar das Teilen von Feeds zwischen mehreren TTRSS-Instanzen.

Für den Wechsel von Google Reader zu TinyTinyRSS gibt es ein simple Anleitung (OPML-Export/-Import), ebenso wie für die grundsätzliche Installation. Eine Demo zum Rumspielen und vorab testen findet sich hier.