Die Social Media Gutsherren

Carl_Spitzweg_-_Der_Gutsherr

„Machen Sie doch eine kleine Online-Petition“: Markus Lanz hat sich in seiner „Wetten, dass…?“-Sendung über die Unterschriften-Aktion lustig gemacht, mit der Zuschauer seinen Rauswurf fordern. Die hat inzwischen schon mehr als 200.000 Unterstützer.
Spiegel Online

Der Unterhaltungskasper Lanz hat bei „Wetten, dass…?“ genau richtig reagiert: er hat dieses Petition lächerlich gemacht. Denn nichts anderes ist sie: affig, unnötig, lächerlich.
Ein weiteres Mosaiksteinchen im bequem-bräsigen Klicktivismusspiel unseres „demokratisierten“ Internets.

Das eigentliche Problem ist aber ein Anderes.

Angenommen, ich starte eine Onlinepetition gegen irgendwelche Pappnasen im Privatfernsehen machen, das Interesse wäre recht überschaubar. Denn bei den Privaten hat man als Bürger ja kein Mitspracherecht, sie werden ja über Werbung finanziert. Und wer die Privaten schaut, ist ja eh selbst schuld und braucht sich gar nicht erst über den Schund dort aufzuregen. Ganz anders aber bei den gebührenfinanzierten ARD & ZDF. Dort glaubt man ja die Möglichkeit der Einflussnahme über – genau, die Gebühren! – zu haben.
Und hier liegt der Kern des Problems: die breite Masse der Freizeitempörten verhält sich nach dem Prinzip „Wer zahlt, schafft an“.

Social Media Gutsherren

Liebe „dafür zahl ich nicht!“-Schreier, lasst euch eines sagen:
Euer gutsherrnhaftes Gehabe kotzt mich an. Weil Lanz und Konsorten ihre Füße unter eurem Tisch haben, könnt ihr bestimmen was sie zu tun und zu lassen haben? Eher nicht.
Erzählt ihr jeder Polizeikontrolle, dass ihr das Gehalt der Beamten zahlt und sie euch deshalb gar nichts zu sagen hätten? Vermutlich nicht.
Aber genau so verhaltet ihr euch.
Hättet ihr die Nummer der Lanz-Redaktion, wärt ihr aber ruck-zuck in Seehofer-Manier am Redkationstelefon. Dem ist nicht so, also versucht ihr es mit wütenden Klicks und #lanz Geschrei.

Ihr seid nicht besser als die dickbräsigen, reaktionären Typen die ihr so verachtet.
Ihr versucht unliebsame Inhalte loszuwerden.

Bild: Carl Spitzweg – Der Gutsherr (Public Domain)

24 Gedanken zu „Die Social Media Gutsherren“

  1. Vielen vielen Dank für diesen Beitrag!

    Es tut gut, dass es tatsächlich auch noch Leute gibt, die eine Haltung auch dann noch haben bzw. erst Recht dann, wenn es gilt, nicht mit der Masse zu schwimmen, sondern stattdessen einfach das Richtige zu tun und zu leben. Was da gegen Lanz angezettelt wird, lässt mich von einem (digitalen) Mopp sprechen bzw. denken. Wenn ich lese, was da alles so gesagt wird. Man kann nur noch den Kopf schütteln. Sie fühlen sich als die Avantgarde und führen sich doch tatsächlich so reaktionär auf und so kleinkariert, wie man es selbst den sonst üblichen Verdächtigen vom bürglich rechten Spektrum niemals zutrauen würde. Dabei geht es gar nicht darum, pro Lanz Partei zu ergreifen. Wofür ich Partei ergreife ist, dass wir Aufbegehren sollten, wenn Dinge zutiefst falsch sind, wenn Gestrige und Vorgestriges gedacht und umgesetzt wird, in 2014. Und dieses Schlamm schmeissen, dieses Fordern eines Kopfes weil man es vermeintlich kann, das ist schlicht widerlich. Es sind zuforderst solche Handlungen, die mir persönlich zeigen, wie weit der Weg in eine moderne(re) Gesellschaft offensichtlich noch ist.

  2. danke für diesen netten beitrag

    schön zu wissen dass sich menschen noch mit den wirklich wichtigen themen auseinandersetzen. sonst würde unser von wutbürgern verseuchtes land ja noch vor die hunde gehen.

    Wieso regt ihr euch über solche nachrichten denn überhaupt noch auf?
    denn späterstens nach facebook seiten wie „wir wollen gutenberg zurück“ sollte uns doch klar sein dass sich der großteil seine verkümmerten rechte nurnoch im netz abholt . damit die personengruppe zumindest ein bischen das gefühl geben kann noch in einem demokratischen land zu leben.

    Ich selbst habe von dieser #lanz welle nichts mitbekommen und wie ich finde ist das auch gut so da ich solche „breakingnews“ wie „schumacher braucht noch ein paar likes zur genesung“ oder diesen hier, ganz schnell in die schublade für die bildzeitung stecke die dann daraus ihre missgebildete topstory gebärt. über die man dann am stammtisch diskutieren kann weil man sich bei dem 7. bier eh nichtmehr über tiefgründigere oder komplexere themen unterhalten kann und will.

    viva la germany

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