Ich bin kein Veganer

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Prof. Dr. Christoph Klotter ist Ernährungspsychologe an der Uni Fulda. Er spricht im Interview mit NIDO über die Moralisierung der Ernährung:

Gesundheit wird als Schwert im Kampf um einen moralisch höheren Standpunkt eingesetzt. […] Das fängt bei Bio an. Bio ist eine Marke gesellschaftlicher und moralischer Überlegenheit. Es belegt besseren sozialen Status, Fortschrittlichkeit. Vegetarier oder Veganer qualifizieren Fleischesser als rückständig, unbelehrbar und rücksichtslos ab.

Klotter trifft damit genau den Punkt, warum ich kein Vegetarier (oder Veganer) bin, obwohl ich kein Fleisch esse und Tierprodukte weitestgehend meide. Auf Nachfrage vermeide ich sogar die Begriffe. Ich möchte einfach nicht in einer Reihe mit Menschen stehen, die sich durch ihre Lebensweise anderen Menschen überlegen fühlen und benehmen. Missionarischer Eifer ist nie gut, auch nicht bei Gesundheit und Lebensmittelherstellung. Und wer glaubt, eigene Überzeugungen seinem Gegenüber wie einer Weihnachtsgans ihre Füllung reinstopfen zu können – der hat etwas Grundlegendes im Umgang mit Menschen nicht verstanden.

Im Bild oben ist die Jesuitenreduktion bei den Tapuyo-Indianern in Brasilien zu sehen. Gemalt vom Augsburger Johann Moritz Rugendas, ca. 1820.

7 Gedanken zu „Ich bin kein Veganer“

  1. Grundsätzlich stimme ich dir zu. Häufig wird ein gesunder Lebensstil als Distinktionsmerkmal eingesetzt. Das war jedoch auch schon vor dem Bio-Trend so.
    Ich verzichte auch auf Fleisch und Tierprodukte und fühle mich ebenfalls nicht immer wohl dabei mit nicht Diskussionsfähigen oder herablassenden Veganern in einer Reihe zu stehen. Denke aber eher das es darum gehen sollte das Schlagwort „Veganer“ in ein besseres Licht zu Rücken. Denn der Mainstream Diskurs wird nunmal über diesen Begriff geführt.
    Jeder Diskussionsfreudige und anders denkenden gegenüber nicht herablassender Veganer ist ein dabei Gewinn.
    Alleine das Bild das vegane Ernährung zwangsläufig gesund sein muss ist an sich ein Trugschluss.
    Mir geht es z.b. Vor allem darum auf die ökologischen Folgen vom „Tier als Nahrungsquelle“ hinzuweisen.
    Dafür gerate ich auch gerne mal ins Kreuzfeuer und versuche dann aber zu beweisen das nicht alle Veganer „Öko-Extremisten“ sind. :)

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