Social Grinsekatzen

Bei meinem Facebook-Ausstieg geht es gar nicht so sehr um Datenschutz und Privatsphäre. Mein Account war immer komplett offen und für alle – auch Nicht-Mitglieder – einsehbar. Ich weiß, was ich post und was nicht. Dank Facebooks Veränderungen im Stream, weg von Statusupdates der Freunde, hin zu einem Dauerrauschen aus Social Marketing und nicht beeinflussbarer Inhaltsflut, wurde eines der Hauptargumente pro Facebook komplett aufgeweicht: der Lock-In Effekt. Wenn ich aber von meinen Kontakten kaum noch etwas mitbekommen, ist das Kernfeature dahin und die Plattform für mich wertlos. Privatnachrichten-Funktion hin oder her.

Letztlich der Hauptauslöser aber ist die Veränderung des Inhalts. Trotz hoher Piraten- und (ich nenne sie mal so) Aktivisten-Dichte unter meinen Kontakten, hatte ich seit rund einem Jahr einen massiven Anstieg im Drang zu Banalität, zur all-shiny-and-wonderful Selbstdarstellung beobachtet. Gelegentlich lese und sehe ich sowas schon gerne, es unterhält und lässt punktuell am Leben Anderer teilhaben. Entscheidend ist dabei die Gewichtung, das Verhältnis zu Dingen, die mich überraschen, begeistern oder aufregen. Letzter Lichtblick in diesem breiigen Hochglanz-Ausfluss war die Mobilisierung zu den ACTA-Demos im Februar. Da hatte ich das Gefühl, es würde sich etwas bewegen.
Falsch gedacht.

„So wie sich bei Facebook-Revolutionären von Syrien bis Ägypten ein gemeinsamer Kampfgeist entwickelt hat, konfiguriert sich in Ländern wie – sagen wir: Deutschland – eine permanent stramm stehende Fanmeile von Grinsekatzen, die mit diversen Endgeräten ausgerüstet sind.“ (Meike Laaff, taz, in „Das Facebook-Ich: Like me!„)

 
Das trifft meine Empfindung ziemlich genau: Ein pink-fluffiger Einheitsbrei aus Selbstpromotion, total fancy Individual-Happyness mit ab-in-den-Urlaub.de und Einfamilienhaus in Fertigbauweise. Privatfernseh-Unterhaltung zum Anklicken, durchsetzt mit Werbung.

Wird mir nicht fehlen.

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