Ein WLAN-Radio mit RaspberryPi und Touchdisplay selbstgebaut

Eins vorweg: Du solltest ein bisschen Grundwissen mitbringen, was den RaspberryPi und Linuxsysteme angeht. Ich erkläre hier nicht alles.

Schon länger wollte ich ein WLAN-Radio haben. Durch unsere innenliegende Küche, den damit miserablen UKW-Empfang und „die Hits der 70er, 80er, 90er und das Beste von Heute“ wurde der Wunsch noch akuter. Wenn nicht mal Bayern 1 für die Bundesliga-Konferenz reingeht, ist das schon bitter. WLAN-Radios von den gängigen Herstellern sind aber recht teuer und unflexibel in der Bedienung: Ab 80€ aufwärts ist mir schlicht viel zu viel Geld für „nur“ ein Radio.

Also habe ich mich für die Selbstbauvariante mit einem RaspberryPi entschieden. Hier gibt es eine Vielzahl von Lösungen mit Bedienung durch LCD-Displays und manuellen Knöpfen, sowie ein paar Schöne mit Touchdisplay. Letzteren Weg habe ich gewählt.

Material

Vorüberlegungen

Ich habe verschiedene Lösungen ausprobiert, darunter das RPi Tron Radio und den Raspbian Tron Radio lema67 Mod. Teilweise hat das auch funktioniert, Problem war aber die unterschiedliche Displaygröße (2,8 vs. 3,2 Zoll) sowie eine unfertige Konfiguration des Touchdisplays, die ich selbst nicht wirklich verstanden geschweige denn hinbekommen habe.

Also war mein Weg nach einigem (!) Probieren die Kombination aus dem vorbereiteten Raspbian Image von Watterott für 8-Bit SPI Version 2015-05-24 und der newTRON-Radio Oberfläche. Der große Vorteil von newTRON ist die Skalierbarkeit: dank Python und SVG-Grafiken passt sich die Darstellung automatisch an die jeweils verwendete Displaygröße an.

Die Einrichtung – Schritt für Schritt

  1. Raspbian Image herunterladen, entzippen und mit dd auf die Speicherkarte bringen
    ~# dd if=raspbian_wheezy_armhf_fbtft_02.2015.img of=/dev/sdX oflag=direct bs=1M
  2. Zweite Partition mounten und in /etc/network/interfaces WLAN SSID und Passwort hinterlegen:
    auto wlan0
    iface wlan0 inet dhcp
    wpa-ssid "Wlanname"
    wpa-psk "Wlan Passwort"
  3. Das Installerscript aus dem Forenbeitrag (ganz unten am ersten Beitrag) herunterladen und in /home/pi/ ablegen. Für den Download musst du dich im Forum registrieren, was eh eine gute Idee ist, wenn du dich für RaspberryPi Themen interessierst!
  4. Touchdisplay am RaspberryPi aufstecken, Speicherkarte einlegen und den Pi starten. Das Gerät startet und auf dem Display erscheinen die üblichen Zeilen eines bootenden Linux. Nach einer Weile fängt der WLAN-Stick an zu blinken und des Pi lässt sich pingen.
  5. Du loggst dich via SSH mit user „pi“ und „raspberry“ als Passwort auf dem RaspberryPi ein und aktualisierst die Paketliste: sudo apt-get update
    Wichtig: Auf keinen Fall das System aktualisieren! (upgrade oder dist-upgrade). Das installiert eine Version von python-pygame die mit der Firmware des Pi nicht klarkommt. Das newTRON Radio startet dann nicht!
  6. Wenn die Paketliste aktualisiert ist startest du die Installation von newTRON:
    sh ./newtron-radio-setup.sh
    Das dauerte eine Weile, hol dir mal nen Kaffee. Sobald die Installation abgeschlossen ist, fügst du in die Datei /etc/rc.local noch die Zeile /usr/local/bin/newtron-radio vor exit 0 ein. Sonst sollte in der Datei nichts stehen!
  7. Im Anschluss startest du den RaspberryPi neu. Wenn alles geklappt hat, sollte das System direkt nach dem Booten newTRON starten und anfangen Musik abzuspielen. Natürlich nur falls du Boxen oder testweise Kopfhörer angeschlossen hast. ;)

Für mich steht noch der Bau eines passenden Gehäuses auf dem Plan. Ich möchte das aus Holz sägen und kleine Aktivboxen einbauen, die über USB mit Strom versorgt werden.

6./7. Juni: Das erste GNU Social Hackfest steht an!

gnusocial-hackfest-header

GNU Social ist die Weiterentwicklung von StatusNet, der Software hinter identi.ca, also einer freien Software für Mikroblogging, die den OStatus-Standard implementiert. Damit bietet GNU Social eine offene Kommunikation zwischen einzelnen Online-Communitys ähnlich zum proprietären, in sich geschlossenen Twitter. Mehr dazu steht in der Wikipedia.
Wer GNU Social noch nicht kennt ist herzlich eingeladen, sich bspw. auf meinem Host gnusocial.de einen Account zu holen. Andere große Hosts sind quitter.se, quitter.es oder gnusocial.no.

Um GNU Social weiter voran zu bringen und die vielen in den vergangenen Wochen und Monaten gesammelten Ideen zu implementieren findet am kommenden Wochenende das erste GNU Social Hackfest statt.
Hier die offizielle Ankündigung von aroque:

Join us for the first GNU Social Hackfest on June 6/7 to improve GNU Social usability and consistency! It will take place throughout the !fediverse, which means you can participate remotely: just follow the !hackfest group and see what’s going on!

Do you feel like coding? Get started by creating an account at https://git.gnu.io/gnu/gnu-social! Then, during the hackfest you can:
– Fix small bugs or usability issues
– Report unmaintained or broken plugins
– Triage bugs copied over from Phabricator

If you are not a programmer, there is still a lot you can do to help! Start following the !hackfest group, then:
– Tell us about usability problems you find in GNU Social
– Hunt for recurring questions in GNU Social posts and tag them with #faq
– Get an account on https://git.gnu.io/ and learn how to report bugs

Contacts:
– !hackfest group: https://gnusocial.no/group/hackfest
– IRC: #social irc.freenode.net
– XMPP chat room: gnusocial@conference.bka.li

Gnu Foto CC-BY Glen Darrud/Flickr

Jolla im Selbstbau: Wie man Sailfish OS auf dem Nexus 4 installiert

SailfishOS als Alternative zu den großen Smartphone Betriebssystemen gibt es jetzt ja schon eine Weile, ebenfalls das zugehörige Jolla Telefon. Letzteres ist mit 250€ leider immer noch relativ teuer – vor allem wenn man Sailfish „nur mal ausprobieren“ möchte. Glücklicherweise hatte ich noch ein altes Nexus 4 hier liegen, das inzwischen schon recht gut unterstützt wird (siehe HW Liste). Das System läuft sehr flüssig und der Akkuverbrauch ist auch okay. Die Optik von Sailfish gefällt mir, wenn auch das Bedienkonzept ungewohnt ist.
Alle inoffiziellen Installationen haben leider auch einen Nachteil. Dank der proprietären Lizenz von Alien Dalvik ist diese nicht frei verfügbar und somit nur in offiziellen Jolla/Sailfish Geräten enthalten. Im Klartext bedeutet das: keine Android Apps.

Installation Schritt für Schritt

Die Installation an sich ist gar nicht schwer, wenn man etwas Grunderfahrung mit Android und ROMs hat. Trotzdem – oder gerade deshalb – zwei Dinge vorweg:

  • Wenn du nicht weißt, was ein custom ROM ist und dir die Begriffe bootloader, recovery und fullwipe nichts sagen: Lass es!
  • God saves, Jesus makes backups. In anderen Worten: diese Anleitung macht dein Nexus 4 komplett platt. (Ja, wirklich komplett!)

1 . Vorbereitungen
Android Tools installieren, falls nicht eh schon vorhanden:
~$ sudo apt-get install android-tools-adb android-tools-fastboot

2. Stock ROM installieren
Du brauchst ein offizielles KitKat ROM von Google, gibt’s hier zum Download. Nimm am besten 4.2.2, das hat bei mir funktioniert. Vermutlich funktionieren aber auch andere Versionen.
Dein Nexus 4 musst du mit gedrückter Leiser-Taste einschalten und sobald der Bootloader auftaucht per USB an deinen Rechner anschließen. Entpacke jetzt das heruntergeladene Tarfile, wechsle in den erstellten Ordner und starte den Flash-Vorgang:
~$ cd occam-jdq39
~$ sudo sh flash-all.sh
Das dauert eine Weile, bis dich anschließend der Bootvorgang von Android empfängt.

3. Nexus 4 rooten
Starte das Nexus neu in den Bootloader (VolDown+Power, siehe oben)
Lade dir hier CF-Auto-Root herunter und entpacke das Zipfile. Du hast die Möglichkeit den Rootvorgang selbsttätig durchlaufen zu lassen:
~$ sudo sh root-linux.sh
Bei mir hat das gezickt und ich hatte keine Lust zu prüfen, woran es liegt. Also hab ich die zwei entsprechenden Befehle einfach manuell ausgeführt:
~$ sudo fastboot oem unlock
~$ sudo fastboot boot image/CF-Auto-Root-mako-occam-nexus4.img

4. CyanogenMOD installieren
Ja, ernsthaft: du bügelst jetzt über das frisch installierte und gerootete Stock Android ein CyanogenMOD ROM drüber. Hol dir hierzu das passende Recovery hier sowie das CM Image (bei mir hat 10.1.3 funktioniert) und schließe dein Nexus 4 an den Rechner an. Danach führst du folgende Schritte aus:
~$ sudo fastboot -w (sicherheitshalber nochmal ein Komplettreset)
~$ sudo adb reboot bootloader (oder über VolDown+Power)
~$ sudo fastboot devices
~$ sudo fastboot flash recovery dein_recovery_image.img
Sobald der Vorgang durch ist kannst du das Gerät in den Bootloader neustarten. Wähle dann mit den Lautstärketasten „Recovery“ und bestätige mit der Powertaste. Im neu installierten Recoverymodus kannst du jetzt direkt CyanogenMOD installieren. Wähle hierzu „install zip“ » „install zip from sideload“ und schieb dann das CM Image mit adb rüber:
~$ sudo adb sideload cm-10.1.3-mako.zip
Achtung: der Vorgang dauert etwas und gibt keine Erfolgsmeldung aus! Nur wenn sideload abschließend meckert, hast du ein Problem.

5. SailfishOS installieren
Direkt nach der Installation lädst du hier das SailfishOS Image herunter. Bei mir war Beta7 aktuell, im entsprechenden Unterordner nimmst du die Datei sailfishos-mako-release-1.1.4.29-beta7-201505271134.zip.
Also wieder „install zip“ » „install zip from sideload“ und dann:
~$ sudo adb sideload sailfishos-mako-release-1.1.4.29-beta7-201505271134.zip

Das war’s! Nach einem Neustart des Nexus 4 sollte SailfishOS brav booten.

KDE Plasma 5 und die Windowstaste

Ich arbeite beruflich mit Windows 7 und habe mich daher an das Verhalten der Windowstaste (Startmenü öffnet sich, ich dann durch Tippen nach Programmen suchen) gewöhnt. Unter KDE Plasma 5 lässt sich das mit einem kleinen Programm von Hans Chen recht einfach nachbauen:
ksuperkey biegt kurz gesagt das durch Super ausgelöste Signal so um, dass sich das Plasma Startmenü öffnet.

Installation
ksuperkey gibt es in manchen Distributionen (Arch, ROSA, OpenMandriva) direkt aus den Paketquellen. Für OpenSUSE existiert ein OBS-Repo.
Für Debian/Ubuntu/Mint führt leider kein Weg am Kompilieren vorbei:

  • Abhängigkeiten installieren:
    sudo apt-get install gcc make libx11-dev libxtst-dev pkg-config
  • Auf manchen Debian-basierten Systemen braucht es wohl auch build-essentials, die sollte man aber eh installiert haben.
  • Code holen und bauen:
    git clone https://github.com/hanschen/ksuperkey.git
    cd ksuperkey
    make

Einrichten
Mit ./ksuperkey kannst du das Programm schon mal starten. Wichtig ist, dass Alt + F1 als Tastenkürzel für das Startmenü festgelegt ist.
Einfach überprüfen und gegebenenfalls beheben:
screenshot-ksuperkey-1

Jetzt noch mit folgenden Schritten ksuperkey automatisch starten lassen:
Systemeinstellungen → Starten und Beenden → Autostart → Programm hinzufügen– → ksuperkey suchen oder auswählen

Das war’s schon!

Firefox und die Adressleiste: Wie man Wort für Wort markiert

Was mich auf meiner aktuellen OpenSUSE-Installation genervt hat, war das Verhalten beim Markieren von Text in der Firefox Adressleiste. Ich bin es gewohnt mit Strg+Shift und den Cursortasten Teile der eingegebene Adresse Wort für Wort auswählen zu können.
Scheinbar hat man das beim Paketieren für OpenSUSE jedoch nicht gemacht, sondern lässt immer die komplette Zeile markieren.

Kurz und gut, du kannst das Problem recht einfach in den Anwendungseinstellungen beheben:
1. about:config aufrufen und – falls nötig – den Warnhinweis bestätigen
2. Nach layout.word_select.stop_at_punctuation und den Wert durch Doppelklick auf „true“ setzen.
2b. Wenn du Leerzeichen mit dem nächstgelegenen Wort zusammen markieren möchtest, noch layout.word_select.eat_space_to_next_word ebenfalls auf „true“ umstellen.

Fertig!

KDE Plasma 5 und OpenSUSE Tumbleweed

screenshot-kde-plasma5

KDE Plasma 5.2 ist seit kurzem veröffentlicht und in den Repositories von OpenSUSEs rolling release Zweig „Tumbleweed“ bereits verfügbar. Der einfachste Weg um beides installiert zu bekommen ist wie folgt:

1. NetInstall ISO holen und Live-Stick (oder CD) erstellen.

  • Für 64bit:
    $ wget -c http://download.opensuse.org/tumbleweed/iso/openSUSE-Tumbleweed-NET-x86_64-Current.iso
  • Für 32bit:
    $ wget -c http://download.opensuse.org/tumbleweed/iso/openSUSE-Tumbleweed-NET-i686-Current.iso

2. Vom Installationsmedium starten und ein minimales grafisches System installieren. Hierzu bei der Desktopauswahl zuerst „Weitere“ (oder „Other“) und dann „Minimal X Window“ auswählen. Als entscheidenden Punkt noch „KDE Plasma 5“ aktivieren.

3. Nachdem die Installation durch ist (dauert etwas, selbst über einen 100Mbit-Leitung musste ich ca. 45 Minuten warten) startest du das System zum ersten Mal – und boom! – landest in einem hässlichen twm Loginfenster. Und wenn du dich einloggst, bekommst du twm als Windowmanager gestartet.
Um das zu beheben änderst du Folgendes:
$ sudo vim /etc/sysconfig/displaymanager
Hier die Variable DISPLAYMANAGER auf kdm oder sddm (falls installiert) setzen.

$ sudo vim /etc/sysconfig/windowmanager
Hier änderst du den Wert für DEFAULT_WM auf „plasma5“.

Jetzt einfach neu booten oder den Displaymanager neu starten:
$ sudo service display-manager restart
Das war’s!

MY STUFF: Was vom Leben übrig bleibt kann weg

Nächste Woche startet ein Dokumentarfilm in den deutschen Kinos: MY STUFF, ein komödienhaftes Selbstexperiment über Petri Luukkainen, einen jungen Filmemacher aus Helsinki. Anfang 2012 setzt er sein Leben zurück auf Anfang: er packt seinen kompletten Besitz in ein Storage-Lager und gibt sich selbst klare Regeln:
1. Das Experiment dauert ein Jahr.
2. Jeden Tag darf er einen Gegenstand aus dem Lager zurückholen.
3. Neue Dinge darf er in diesem Zeitraum nicht kaufen.

Start ist am 5. März in ausgewählten Kinos im Bundesgebiet.