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openSUSE mit sudo – aber komfortabel!

Wer das Handling von Tätigkeiten mit Administratorenrechten („Root“) wie ich aus der Debian-Welt gewohnt ist, wird mit openSUSE zu Anfang so seine Schwierigkeiten haben. Mit zwei Benutzern geht es noch, da man ja das selbe Passwort sowohl für den User als auch für Root einstellen kann. Aber spätestens bei mehr Nutzerkonten ist damit schon Schluss, außer man gibt das Root-Passwort an alle weiter. Beide Lösungen sind sicher irgendwie praktikabel, aber schön ist das alles nicht. Vor allem weil ja eigentlich sudo installiert wäre – aber nur so halbgar genutzt wird.

Also habe ich mal bei meiner aktuellen openSUSE Tumbleweed daran gemacht, dem System ein vernünftiges sudo-Konzept beizubringen und dieses dann auch für YaST anzuwenden. Das war etwas fieselig herauszufinden, hat am Ende aber gut funktioniert.

Los geht’s!

visudo

Standardmäßig fragt sudo nach dem Root-Passwort. Das ist ziemlich unsinnig, also ändern wir es!

  1. Im ersten Teil arbeiten wir noch als normaler Benutzer. Die Zeilenangaben können abweichen, je nach Alter der Datei/Systemversion und vorherigen Änderungen daran.

    sudo visudo
  2. Die Parameter in Zeile 43 beginnend mit env_keep = „LANG… ergänzt du am Ende innerhalb der Anführungszeichen mit:

    DISPLAY XAUTHORITY
  3. Die Zeilen 68 und 69 kommentierst du komplett aus, damit nicht mehr das Passwort des „Zielusers“ abgefragt wird:

    #Defaults       targetpw
    #ALL    ALL = (ALL) ALL
  4. Zusätzlich kommentierst du Zeile 81 ein, löschst also das Kommentarzeichen # weg:

    %wheel ALL=(ALL) ALL
  5. Speichern, schließen und dann deine(n) Benutzer entweder über YaST oder direkt im Terminal der Gruppe „wheel“ hinzufügen:

    gpasswd -a <dein-username> wheel

    Durch Aus- und wieder Einloggen wird die Änderung dann auch übernommen und sudo möchte ab sofort im Terminal immer dein Benutzerpasswort haben.

YaST

Für die grafische Version von YaST wird PolicyKit zur Authentifizierung genutzt, hier ist noch etwas mehr Arbeit nötig. Ab hier arbeitest du als root, wechsle also mit su – den Account.

  1. Erstelle eine PolicyKit Action für YaST

    vim /usr/share/polkit-1/actions/org.opensuse.pkexec.yast2.policy
  2. Folgenden XML-Block fügst du in die Datei ein. Achte dabei bitte auf Zeilenumbrüche beim Kopieren/Einfügen.

    <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><!DOCTYPE policyconfig PUBLIC "-//freedesktop//DTD PolicyKit Policy Configuration 1.0//EN" "http://www.freedesktop.org/software/polkit/policyconfig-1.dtd">
    <policyconfig>
    
      <action id="org.opensuse.pkexec.yast2">
        <message>Authentication is required to run YaST2</message>
        <icon_name>yast2</icon_name>
        <defaults>
          <allow_any>auth_self</allow_any>
          <allow_inactive>auth_self</allow_inactive>
          <allow_active>auth_self</allow_active>
        </defaults>
        <annotate key="org.freedesktop.policykit.exec.path">/usr/sbin/yast2</annotate>
        <annotate key="org.freedesktop.policykit.exec.allow_gui">true</annotate>
      </action>
    
    </policyconfig>

    Speichern, schließen – der Erfolg lässt sich als regulärer Benutzer mit pkexec /usr/sbin/yast2 überprüfen.

  3. Die vorgegebene Rechte-Konfiguration sicherst du und ersetzt sie durch die System-Konfiguration. Unsere Datei wird bei einem Upgrade übrigens nicht überschrieben.

    mv /etc/polkit-default-privs.local /etc/polkit-default-privs.local.bkup
    cp /etc/polkit-default-privs.standard /etc/polkit-default-privs.local

    Die nötige Anpassung ist überall auth_admin durch auth_self zu ersetzen. Du kannst das auch von Hand machen, mit sed geht das aber bequemer und schneller:

    sed -i 's/auth_admin/auth_self/g' /etc/polkit-default-privs.local
  4. Damit die Authentifizierung über PolicyKit auch funktioniert, erstellst du ein kurzes Shellscript das künftig als Umweg aus dem Menü aufgerufen wird:

    vim /usr/local/sbin/yast2_polkit
  5. Das Script sieht wie folgt aus, einfach in die Datei yast2_polkit einfügen:

    #!/bin/bash
    
    if [ $(which pkexec) ]; then
            pkexec --disable-internal-agent "/usr/sbin/yast2" "$@"
    else
            /usr/sbin/yast2 "$@"
    fi
  6. Speichern und schließen. Abschließend machst du das Script noch ausführbar:

    chmod +x /usr/local/sbin/yast2_polkit
  7. Als letztes erstellst du eine .desktop Datei. Damit erscheint der modifizierte YaST-Starter direkt im Hauptmenü und das systemweit für alle Benutzer. Beispielsweise wird er bei Xfce unter „Einstellungen“ gelistet. Andere Desktops habe ich nicht getestet, gehe aber davon aus dass der Starter an einer sinnvollen Stelle landet da er ja nur eine angepasste Kopie des Originals ist.
    Natürlich könntest du auch die originale Datei für YaST (YaST.desktop) bearbeiten aber die wird bei einem Upgrade überschrieben. Und eine Kopie in /usr/local/share/applications ignorieren sowohl das Anwendungs- als auch das Whiskermenü.
    Also:

    vim /usr/share/applications/YaST2.desktop
  8. Einfügen und speichern:

    [Desktop Entry]
    X-SuSE-translate=true
    Type=Application
    Categories=Settings;System;X-SuSE-Core-System;X-SuSE-ControlCenter-System;X-GNOME-SystemSettings;
    Name=YaST2
    Icon=yast
    GenericName=Administrator Settings
    Exec=/usr/local/sbin/yast2_polkit
    Encoding=UTF-8
    Comment=Manage system-wide settings
    Comment[DE]=Systemweite administrative Einstellungen
    NoDisplay=false

Das ist alles. Damit ist ein Login als Root nicht mehr nötig bzw. kann bequem über sudo su – mit deinem Benutzerpasswort erfolgen. Ob das Konzept von openSUSE jetzt schlechter oder besser ist, mag ich nicht entscheiden. Das ist Geschmackssache, denke ich.
Was mir auf jeden Fall gut gefallen hat, ist die klare Einhaltung von Standards. Das macht die Suche nach Lösungen deutlich leichter und schneller. Ich konnte dank guter Dokumentation und hilfreichen Forenbeiträgen alles innerhalb von rund einer Stunde fertigstellen – und das große Kenntnisse von PolicyKit!

Kategorien: Allgemein

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2 Kommentare

  1. Nur mal so aus Interesse, warum nutzt du überhaupt openSUSE? Ich komme ja ursprünglich aus der SuSE-Welt und konnte mich seit meinem Debian-Erstkontakt nie wieder mit SuSE oder openSUSE anfreunden.

    • vinzv

      18.09.2017 — 20:36

      Ich beobachte den Weg den openSUSE seit der Konsolidierung zu Leap/Tumbleweed geht und bisher gefällt mir das sehr gut. Installiert hab ich es schon einige Male. Ich bin jetzt einfach neugierig, gerade darauf wie sich openSUSE bei mir im Alltag schlägt. Beziehungsweise wie ich damit klarkomme, nach Jahren mit Debian. (Ja, ich hab schon einige Male angefangen „sudo apt…“ zu tippen.)

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